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Geschichte von Cremona

DIE URSPRÜNGE UND DIE RÖMISCHE ZEIT

Nach dem lateinischen Historiker Tacitus wurde die Stadt 1218 v.Ch. w?hrend des Konsulats von Tiberius Sempronius und Publius Cornelius als Schutzwall gegen die Gallier und alle über die Alpen Sicht eine flache Terrasse , die sich w?hrend der letzten Vergletscherung gebildet hat und die höher als die Schwemmlandebene des Flusses war. Der Po hatte damals einen nördlicheren Vorlauf, als heute und war nicht weit von der Stadt. Cremona wurde als Kolonie auf lateinischem Recht gegründet: Das bedeutet , dass man Siedler aus Mittel- und Suditalien schickte, die politisch für den Kriegsfall mit Rom verbunden waren, aber die Selbstverwaltung genossen. Nach der Gründung der Stadt wurde das Gebiet in großen Grundstücke geteilt, die den Siedlern zugesprochen wurden. Nach einer Zeit der Instabilität, wegen des Einfalls der Barbaren, genoss die Stadt dank ihrer strategischen Lage am Po und an der Postumiastrasse, der Konsularstrasse, die Norditalien seit 148 v.Ch. überquerte und die die Höfen von Aquileia und Genua verband, eine lange Prosperit?tsperiode. Diese besondere Blütezeit wird durch schriftliche Quellen und auch durch Ausgrabungen bezeugt, die Reste von luxuriösen privaten und stadtlichen öffentlichen Gebäuden ans Tageslicht gebracht haben. So können wir erfahren, dass die Stadt den bedeutendsten landwirtschaftlichen Markt der zentralen Poebene beherbergte und dass sie den Reichtum der Landwirtschaft, des Handwerks und des Handels mit einem hohen kulturellen Anspruch verband, was Schüler aus den nahen gelegenen Städten anzog: auch der junge Vergil zog von Mantua nach Cremona, bevor er sein Studium in Mediolanum abschloss. In seiner Beschreibung der Zerstörung der Stadt nach dem Krieg im Jahre 69 n.Ch. weist Tacitus auch auf den Wohlstand Cremona hin. Nach dem Tod von Kaiser Nero brach ein blutiger Bürgerkrieg über die kaiserliche Thronfolge aus, in dem sich Otone, Vitelius und Vespasianus bekämpften. Zwei blutige Schlachten wurden in der N?he von Bedriacum( einer kleinen Stadt an der Postumiastrasse, in der heutigen Gemeinde von Calvatone)und Cremona geschlagen. Die Stadt, des triumphalen Empfangs von Vitellius schuldig, wurde durch Feuer und Schwerte durch die Truppen des Siegers Vespasianus zerstört. Nach dem vom neuen Kaiser gewollten Wiederaufbau erblühte die Stadt in den letzten Jahrzehnten des 1. Jahrhunderts und w?hrend des ganzen 2. Jahrhundes ohne besondere Erschütterungen und ohne die ?Große Geschichte? zu erleben, wie viele Städte Norditaliens. Zwischen dem 3. und 4. Jahrhundert betraf die allgemeine Krise des Römischen Reichs auch die Städte der Poebene, obwohl die herausragende Rolle von Mediolanum(einer der vier Hauptstädte des Römischen Reichs) sich auf das Gebiet und die nahe liegenden Städte positiv auswirkte. Das Straßennetz erfuhr einen irreversiblen Verfall und das bebaute Landwurde zum größten Teil verlassen. Typisch für diese Zeit ist der Bau von großen Villen, die als Residenz und Repr?sentationssitz galten und später auch die Rolle von religiösen Zentren spielten, aus denen sich das Christentum auf dem Land verbreitete. Cremona erhielt in dieser Zeit und in den zwei folgenden Jahrhunderten seine eigene Stadt- und Verteidigungsstruktur; das Ende der antiken Stadt f?llt erst mit dem Jahre 603 n.Ch. zusammen, als sie von dem langobardischen Agilulfus erobert wurde.

DAS MITTELALTER

Im Jahre 1098 schenkte die Gräfin von Canossa den Vertretern der Kirche und dem Stadtstaat Cremona die Insel Fulcheria, ein Gebiet zwischen den Flüssen Adda und Serio ; bei dieser Gelegenheit wurde der Stadtstaat zum ersten Mal genannt und deswegen lässt man die Gründung des Stadtstaats auf dieses Datum zurückgehen. Dank der Entwicklung des Flusshandels erreichte Cremona im Laufe des 12. Jahrhunderts einen bemerkenswerten Reichtum und eine große Blüte. Gleichzeitig stärkte die Stadt die verschiedenen Regierungsformen. Die politische und wirtschaftliche Wichtigkeit der Stadt führte nun zu einer Bauerneuerung, die im Bau des außerordentlichen Monumentalkomplexes des Rathausplatzes gipfelte: Die Einheit zwischen Kirche und Stadt wurde 1107 mit der Errichtung der neuen Kathedrale festgelegt. Sie wurde zum ersten Zentrum des Gemeindelebens, nicht nur ein Ort des Gebetes, sondern auch ein Haus für alle Stadtbewohner. In der Kathedrale oder auf dem gegenüberliegenden Platz wurden der Fahnenwagen und die Standarte geweiht; hier leistete man Eide und dort wurden auch die ersten Versammlungen der Verwaltung abgehalten, bis das Rathaus 1206 gegenüber der Kathedrale erbaut wurde. Zwischen 1169 und 1187 wurde die Entwicklung der Stadt durch einen neuen stattlichen Mauerring vollendet, der der Altstadt das heutige Aussehen gab. Dank der kaiserfreundlichen Politik der Stadt bis zur ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts räumten die Kaiser Cremona zahlreiche Privilegien ein: Die Stadt stimmte der Politik Barbarossas gegen Crema und Mailand zu, und auch wenn sie 1167 in die Liga der Lombardei eintritt, spielte sie eine Vermittlerrolle zwischen Kaiser und Stadtstaaten und kein Soldat aus Cremona kämpfte in Legnano; immer charakterisierten Treue und gegenseitige Stutze die Beziehungen zwischen Cremona und Friedrich II., Barbarossas Neffen. Die Stadt war das Hauptquartier des kaiserlichen Heers im Kampf gegen die Stadtstaaten der Lombardei und oft nahm sie den Kaiser und seinen gesamten Hof bei seinen häufigen Aufenthalten auf. Nach dem Tod des Kaisers begann 1250 für die Stadt eine lange Zeit von Kämpfen zwischen Guelfen und Gibellinen , bis Cremona 1334 seine Autonomie verlor, nachdem Azzone Visconti, Herr von Mailand, die Stadt erobert hatte. Cremona wurde der Binnenhafen von Mailand und daraus zogen Handel und Flussschifffahrt Gewinn, mit positiven Folgen für die Wirtschaft, die nun auch

auf eine reiche Textilindustrie z?hlen konnte. Nach einer kurzen Zeit der Krise w?hrend der Herrschaft Viscontis am Anfang des 15. Jahrhunderts trat die Stadt ab 1420 in das Herzogtum von Mailand ein, mit dessen Schicksal sie bis zur Einheit Italiens verbunden war. Im Jahre 1441 wurde die Hochzeit von Francesco Sforza und Bianca Maria Visconti gefeiert: Nach der Überlieferung wurde der Torrone in Form eines Turmes zum ersten Mal w?hrend des Banketts serviert. Dank der weisen Regierung von Bianca Maria, die vom Volk sehr geliebt wurde, erfuhr Cremona eine Zeit des Wohlstands und der Ruhe. Die Herzögin forderte die Erneuerung der Stadt durch viele Bauwerke und reiche Handlerfamilien bauten prunkvolle Patrizierh?user. In der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts nahm Cremona die vornehme und kunstvolle Würde des Renaissance Stils an, die noch heute in den Palästen und in den Kirchen der Stadt sichtbar ist.

RENAISSANCE UND SPANISCHE HERRSCHAFT

Nach einem von Frankreichs König Ludwig XII. und den Venezianern 1449 getroffenen Abkommen ging Cremona ohne Krieg auf Venedig über, jedoch wurde Cremona 1509 infolge der Niederlage des venezischen Heers in Agnanello wieder dem Herzogtum Mailands wieder eingegliedert. Für die Stadt und für ganz Norditalien waren die Jahre zwischen 1509 und 1535 schmerzhaft und mühselig. Frankreich und Spanien stritten um die Vorherrschaft in Italien und jene Kriegsjahre bedeuteten Gewaltt?ten, Plünderungen, Epidemien und von der jeweiligen Besatzungsmacht auferlegte, drückende Steuern. Die Stadt und das Umland wurden arm, der Handel stagnierte und die Bevölkerung nahm ab ; 1535 herrschte wieder Frieden, die Wirtschaft erholte sich allm?hlich wieder und im 16. Jahrhundert wurde Cremona die zweite Stadt des Herzogtums Mailand: reich und blühend z?hlte sie ungefähr 37000 Einwohner und die Textilwirtschaft , die schon im Mittelalter besonders wichtig war, wurde zum Hauptzweig der Wirtschaft. Im Jahre 1585 wurde das Werk ?Cremona Fedelissima? in Vulgärsprache von Antonio Campi veröffentlicht: Das an geschichtlichen, künstlerischen und literarischen Informationen reiche Werk erlaubt die Rekonstruktion der kulturellen Entwicklung der Stadt von den Ursprüngen bis 1585. Antonio Campi kam aus einer Familie von großen Malern: Sein Vater, Galeazzo, seine Brüder Giulio und Vincenzo, sowie Antonio selbst, hinterließen eine grundlegende Spur in der lokalen Kunstkultur : Ihre Meisterwerke sind noch heute in den Kirchen der Stadt und im Stadtmuseum Ala Ponzone zu sehen. In seinem Werk ?Cremona Fedelissima? erinnert A. Campi auch an die Künstler, die zwischen dem 15. Und 16. Jahrhundert in Cremona arbeiteten: Maler, Bildhauer, Architekten und auch Wissenschaftler, wie z.B. der Arzt Realdo Colombo, Spezialist für Anatomie, und den vielseitigen Janello Torriani,der außerordentliche Uhren, Automaten und Mechanismen baute und der am Hof von Kaiser Karl V. und dessen Sohn Philip II. lebte. Im Jahre 1630 befiel die von Alessandro Manzoni beschriebene Pest auch Cremona und die katastrophalen Folgen führten die reiche und blühende Stadt in eine schwere Wirtschaftskrise in Ackerbau und Handel und auch zur Entvölkerung; w?hrend sich die anderen Städte des Herzogtums Mailand schnell wieder erholten, musste Cremona circa zwei Jahrhunderte warten, um das alte Bevölkerungsniveau wieder zu erreichen. Trotzdem spielte Cremona im Laufe des 16. Und 17. Jahrhunderts durch die Musik und die Geigenproduktion eine besondere Rolle. Die Geigenbauer von Cremona erreichten hervorragende technische Ergebnisse, die sie weltberühmt machten: Der erste, der im 16. Jahrhundert besonders herausragte, war Andrea Amati, der Stammvater einer Familie von bekannten Geigenbauern. Sein Enkel Nicolò war vermutlich Meister der Stammvater von zwei anderen großen Familien, den Guarneri und den Stradivari, deren Mitglieder im 17. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts t?tig waren. Zwei von ihnen erwarben außergewöhnlichen Ruhm: Antonio Stradivari, dessen Instrumente als die größten Meisterwerke aller Zeiten betrachtet werden, und Giuseppe Guarneri, Gesù genannt. Einige ihrer Instrumenten kann man in der Stadtsammlung ?Gli Archi di Palazzo Comunale? besichtigen. Ebenso stammte der Komponist Claudio Monteverdi aus Cremona, der für den Hof der Gonzaga in Mantua und für die Kapelle von Sankt Markus in Venedig arbeitete und der als Erfinder des Melodrams angesehen wird.

VON DER ÖSTERREICHISCHEN HERRSCHAFT BIS HEUTE

Nach dem spanischen Erbfolgekrieg ging der Staat Mailand im Jahre 1707 von den Habsburgern Spaniens auf die Habsburger Osterreichs über: Das war der Beginn der österreichischen Herrschaft, die außer einer Unterbrechung w?hrend der französischen Besetzung zwischen 1796 und 1824, bis zur Einheit Italiens andauerte. Das wichtigste Werk w?hrend der österreichischen Herrschaft in der Lombardei war der Kataster ,eine neue Steuerregelung, die 1718 begonnen wurde und 1760 in Kraft trat. 1773 wurde ein neues bedeutungsvolles Gesetz zur Aufhebung der mittelalterlichen Zünfte eingeführt. Alle diese Reformen beeinflussten die Wirtschaft positiv, sie erholte sich und blühte von Neuen auf.

In diesem neuen Klima eröffnete Cremona am 26. Dezember 1747 sein erstes echtes Theater (drittes Opernhaus in Italien) und gründeten 1780 die öffentliche Bibliothek. Seit dem Ende des 18. Jahrhunderts begann die Stadt mit dem Abriss von Kirchen, der Schließung von Klöstern und der Beschlagnahmung ihrer Güter und dem allmählichen Abbau der Verteidigungsmauer. Die Veränderung der Stadt schritt im 19. Jahrhundert mit dem Umbau der privaten Gebäude im neuklassizistischen Stil, mit der Neuordnung der Stadtausstattung und mit der öffentlichen Beleuchtung durch Öllampen im Jahre 1816 fort. Im Jahre 1814 bereitete die Restauration den zwanzig Jahren französischer Besetzung ein Ende: Die österreichische Herrschaft kehrte zurück; endete jedoch 1859 mit dem Zweiten Unabh?ngigkeitskrieg, der die Monarchie der Savoyer nach Mailand brachte . Im Jahre 1922 bemächtigte sich die Faschistische Partei aller Stadtverwaltungen der Umgebung von Cremona; in Cremona war Roberto Farinacci der Gründer der faschistischen Bewegung: Die Partei ergriff die Macht über die Stadt und beherrschte das politische und wirtschaftliche Leben bis 1945.W?hrend des Faschismus wurden die H?user und die Werkst?tte neben dem Dom abgerissen, damit man einen besseren umfassenden Blick auf die Kirche haben konnte. Auch ein Teil des Stadtzentrums wurde durch das Abreißen von Gebäuden radikal ver?ndert, neue öffentliche und private Geb?ude wurden gebaut. In der Nachkriegszeit wurde eine Körperschaft gegründet, die die alte landwirtschaftliche und züchterische Tradition von Cremona wiederbelebte: 1965 entstand die Körperschaft der Messeveranstaltungen, die seit 2003 ? Cremona-Messen S.p.A.? genannt wird: ein Zentrum der nationalen Messen und ein Anziehungspunkt für die italienische und europäischer Landwirtschaft und Viehzucht.